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Richard Lebram Berlin – Die Geschichte des vergessenen Berliner Juweliers und Schmuckgroßhändlers

Inhaltsverzeichnis

Richard Lebram zählt zu den bedeutendsten, heute jedoch nahezu vergessenen Persönlichkeiten der Berliner Schmuckgeschichte. Während Namen wie Gebrüder Friedländer oder WILH. MÜLLER noch gelegentlich erwähnt werden, ist Richard Lebram selbst unter Sammlern historischer Schmuckstücke weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei gehörte sein Unternehmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den größten Schmuck- und Edelmetallgroßhandlungen Deutschlands und machte Berlin zu einem der wichtigsten Handelsplätze für Juwelen, Goldschmuck und Silberwaren in Europa.

Sein repräsentatives Geschäftshaus in der Wallstraße 15/15a in Berlin-Mitte war weit mehr als ein Firmensitz. Es symbolisierte den wirtschaftlichen Aufstieg der deutschen Schmuckbranche und den internationalen Ruf Berlins als Zentrum für Luxusgüter, Edelmetalle und hochwertigen Schmuck.

Richard Lebram – Vom Berliner Kaufmann zum internationalen Schmuckgroßhändler

Richard Lebram wurde 1866 in Berlin geboren. Nach seiner Schulzeit am traditionsreichen Gymnasium zum Grauen Kloster begann er zunächst eine Ausbildung im Bankwesen. Schon früh erkannte er jedoch das enorme Potenzial des Handels mit Gold-, Silber- und Schmuckwaren.

Im Jahr 1893 gründete er in der Berliner Scharrenstraße seine eigene Großhandlung für Goldwaren, Silberwaren, Bijouterie und Uhren. Berlin befand sich damals auf dem Höhepunkt seines wirtschaftlichen Wachstums. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Lebrams Unternehmen zu einem der führenden Schmuckgroßhändler des Deutschen Reiches.

Bereits kurz nach der Gründung mussten die Geschäftsräume mehrfach erweitert werden. Das stetige Wachstum führte schließlich zum Bau eines völlig neuen Geschäftshauses in der Wallstraße.

Das berühmte Geschäftshaus in der Wallstraße

Mit der Fertigstellung des Neubaus im Jahr 1911 entstand eines der modernsten Handelsgebäude Berlins.Die von den Architekten Hoeniger & Sedelmeier entworfene Immobilie verfügte über technische Innovationen, die ihrer Zeit weit voraus waren: Personen- und Lastenaufzüge, ein hausinternes Rohrpostsystem, Zentralheizung sowie eine moderne Telefonanlage machten das Gebäude zu einem Vorzeigeobjekt der Berliner Geschäftswelt.

Bis heute gehört das denkmalgeschützte Gebäude zu den eindrucksvollsten erhaltenen Geschäftshäusern der Berliner Gründerzeit und erinnert an die Blütezeit des Berliner Schmuckhandels.

Berlin als Welthauptstadt des Schmuckhandels

Von seinem Firmensitz in Berlin belieferte Richard Lebram Juweliere, Goldschmiede, Uhrmacher und Fachhändler im gesamten Deutschen Reich sowie zahlreiche internationale Kunden.

Die Firma unterhielt Niederlassungen in Pforzheim und Schwäbisch Gmünd, den beiden bedeutendsten Zentren der deutschen Schmuckherstellung. Verkaufskataloge erschienen in deutscher, englischer, französischer und spanischer Sprache – ein eindrucksvoller Beleg für die internationale Bedeutung des Unternehmens.

Richard Lebram trug damit entscheidend dazu bei, dass Berlin um 1900 zu den wichtigsten Handelszentren für Schmuck, Edelmetalle und Luxuswaren Europas gehörte.

Ein Unternehmer mit sozialem Verantwortungsbewusstsein

Richard Lebram war nicht nur ein erfolgreicher Kaufmann, sondern auch ein außergewöhnlich moderner Arbeitgeber.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts richtete er für seine Mitarbeiter eine Betriebskantine, Wasch- und Umkleideräume sowie eine betriebliche Unterstützungskasse ein – Leistungen, die damals alles andere als selbstverständlich waren.

Darüber hinaus engagierte er sich in zahlreichen Berufsverbänden der Schmuck- und Uhrenbranche und gehörte zu den Mitbegründern des Deutschen Uhrenhandelsverbandes.

Das Unternehmen während der NS-Zeit

Richard Lebram und seine Ehefrau Nanny Heymann adoptierten 1919 Jürgen Glaser und dessen Schwester, die fortan den Familiennamen Lebram trugen.

Nach Richard Lebrams Tod im Jahr 1938 führte Jürgen Lebram das Unternehmen weiter. Während der Zeit des Nationalsozialismus musste die Firma – wie zahlreiche Berliner Unternehmen – erhebliche politische und wirtschaftliche Herausforderungen bewältigen.

1942 erfolgte die Umfirmierung in Lebram & John GmbH. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Unternehmenssitz nach Pforzheim verlegt. Dort bestand das Unternehmen noch bis 1974, ehe eines der traditionsreichsten Häuser der deutschen Schmuckbranche seine Geschäftstätigkeit endgültig einstellte.

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Richard Lebram und sein Vermächtnis

Heute erinnern historische Kataloge, Werbeanzeigen und das eindrucksvolle Gebäude in der Wallstraße an ein Unternehmen, das einst den Berliner Schmuckhandel entscheidend prägte.

Für Sammler von Antikschmuck, Historiker und Liebhaber der Berliner Goldschmiedekunst gehört Richard Lebram zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Schmuckgeschichte.

Gemeinsam mit Unternehmen wie Gebrüder Friedländer, WILH. MÜLLER, Paul Telge, A. Wertheim, C. F. Zimmermann, Hugo Oppenheim und zahlreichen weiteren Berliner Juwelieren machte Richard Lebram die Hauptstadt zu einem internationalen Zentrum für Schmuck, Diamanten und Edelmetalle.

Wer heute auf den Spuren der historischen Berliner Juweliere wandelt, kommt an der Wallstraße nicht vorbei. Das ehemalige Geschäftshaus von Richard Lebram ist bis heute eines der eindrucksvollsten Zeugnisse jener Epoche, in der Berlin zu den bedeutendsten Schmuckmetropolen Europas zählte – und Richard Lebram einer ihrer erfolgreichsten Unternehmer war.

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