Edelsteine Schliffarten

EDELSTEINE SCHLIFFARTEN

BAGUETTESCHLIFF

Ein beliebter Schliff, gewissermaßen unter der Schirmherrschaft des berühmten französischen Schmuckherstellers „Cartier“ entstanden, ist der Baguetteschliff. Um 1920 entstand dieser rechteckige Schliff in Frankreich. Der Name beschreibt im eigentlichen Wortsinne genau den optischen Eindruck: Stab oder Stäbchen.

Aus dem Edelstein wird ein exaktes Rechteck mit vier 90° Winkeln geschliffen. Die Verarbeitung eines Steins zum Baguetteschliff ist schwierig und bedarf höchster Fertigkeiten. Die große Gefahr für den Cutter besteht, dass der Edelstein splittert, weil ein erheblicher Teil des Materials abgeschliffen werden muss.

Gelingt jedoch der perfekte Baguetteschliff, dann ist der visuelle Gesamteindruck des Antikschmuckstücks harmonisch und von augenschmeichelnder Gleichmäßigkeit.

BRILLANTSCHLIFF

Im Jahre 1910 entstand nach jahrelangen Forschungen und Optimierungen der Schliff, der heute als Standard gilt: der Brillantschliff. Er ist das Resultat fieberhafter Bemühungen der Cutter, die Brillanz (Mit diesem Begriff ist ein weiteres Beispiel für die Standardisierung erbracht!) eines Diamanten maximal zu erhöhen.

Der Glanz, das Funkeln entsteht im Stein durch das Brechen des auftreffenden Lichts. Je mehr und je detaillierter die Schliffe ausgeführt sind, umso eindrucksvoller ist das Ergebnis. Dies ist pure Mathematik, und deshalb ist der Brillant-Referenzschliff auch präzise berechnet und für jeden Schmuckhersteller eine verbindliche Vorgabe. Der Brillant setzt sich von oben nach unten wie folgt zusammen.

Die Krone, welche oben mit einer flachen Tafel abschließt, bildet die Oberseite. Es folgt der breiteste Teil des Diamanten, die Rundiste. Den spitz nach unten verlaufenden Abschluss bildet der Pavillon. Das Schema der verschiedenen Facetten ist festgelegt. Insgesamt bekommt ein Brillant 58 Facetten geschliffen. Die wissenschaftliche Analyse der optischen Wirkung und des Farbenspiels eines Brillanten resultierte im 1919 entstandenen „Tolkowsky-Brillant“.

Diese Referenz ist in den USA noch heute gültig. In Deutschland gab es 1939 eine Neuberechnung der „Praxis Eppler“, den sogenannten „Feinschliff“. In Skandinavien wiederum errechnete man noch 1969 den „Skandinavian Standard-Brillant“. Dennoch ist es nach wie vor der Tolkowsky-Brillant, welcher als Standard heute weltweit angesehen ist.

CABOCHONSCHLIFF

Der weltweit gültige französische Ausdruck Cabochon steht für einen glatt geschliffenen Edelstein. Die alternativen Begriffe „Glattschliff“ und „Mugelschliff“ sind ebenfalls gängig. Nicht nur von der Technik her hebt sich ein Cabochonschliff deutlich von den Facettenschliffen ab. Es sind in erster Linie die für den Betrachter einmalig schönen Farbenspiele und Schillereffekte, die auffallen.

So werden gänzlich andere Lichtreflexe erzeugt als mit Facetten. Je nachdem, welcher Edelstein glattgeschliffen wurde, sind verschiedene changierende Effekte zu bewundern. Hierfür ist jeweils die Kristallstruktur des Edelsteins verantwortlich. Beispielsweise wandert ein blauweißer Glanz über Mondstein, wenn man den Mondsteincabochon bewegt. Dieses verblüffende Phänomen nennt man Adulareszenz.

Das als Katzenaugeneffekt bekannte Phänomen Chatoyance ist wiederum der faszinierende Schimmer, den ein glattgeschliffener Saphir oder ein Tigerauge hervorbringt. Somit ist der perfekt ausgeführte Cabochonschliff in oder auf vielen Antikschmuckteilen ein wahrer Hingucker. Es ist nicht selten die beeindruckendste Art und Weise, einen Edelstein in Szene zu setzen. Denn der Farbstein, der so wirken kann, entfaltet seine ihm eigene Raffinesse durch die Brechungen des Lichts.

PAMPELSCHLIFF

Der Pampelschliff entspricht in seiner Formgebung einem langgezogenen Tropfen. So geschliffene Edelsteine eignen sich besonders gut für Anhänger, Colliers und Hängeohrringe.

Diese ungewöhnliche Ausarbeitung gehört zu den sogenannten „fancy“ cuts. Er ist nicht so allgegenwärtig wie die populären Schliffe und daher in Antikschmuck stets ein besonderer Blickfang.

PRINZESSINNENSCHLIFF

Der Princess-Cut ist die rechteckige Diamantform mit dem meisten Feuer. Nach dem Brillantschliff gehört dieser noch sehr junge Schliff vor allem in den USA zu den beliebtesten Varianten.

Der Princess-Cut ist in den 1960er Jahren entstanden und gilt als die erste quadratische Formgebung für Diamanten. Seine Facetten lassen ihn wegen der eckigen Form mehr Karat wiegen als ein runder Brillant mit gleichem Durchmesser.

ROSENSCHLIFF

Der Rosenschliff wurde im niederländischen Raum bereits seit dem späten 16. Jahrhundert angewendet. Er gehört zu den sogenannten Rautenschliffen und wird in die Kategorie der Altschliffe eingeordnet. Die Diamanten erhalten einen flachen Boden und bis zur Spitze des Steins dreieckig geschliffene Facetten. Der dadurch gewonnene optische Eindruck ähnelt dem einer Rosenblüte.

Zur Steigerung der Leuchtkraft und des Feuers wurden Rosenschliffdiamanten häufig auf eine reflektierende Folie gesetzt. Dieses Verfahren ist sehr speziell und hatte seine häufigste Verwendung in Antwerpen, der Provinz Brabant und, nahe der französischen Grenze, in Charleroi. Der Rosenschliff wird heute kaum noch geschliffen. In der Hochphase dieses holländisch-belgischen Schliffes entstanden jedoch fantastische Schmuckstücke. Besonders populär ist die „Antwerpener Rose“.

SMARAGDSCHLIFF

Der Smaragdschliff trägt diesen Namen, weil er ursprünglich vor allem bei Smaragden Anwendung fand. Er gehört zu den sogenannten Treppenschliffen (Step Cuts). Dies beschreibt das visuelle Empfinden absolut treffend. Es sind die langgezogenen Facetten, die parallel verlaufen und somit an Treppenstufen erinnern.

Dieser Schliff muss vom Cutter sorgfältig gewählt werden, weil er selbst kleinste Makel in den Steinen offenbart. Steine von perfekter Reinheit allerdings entfalten im Smaragdschliff einen faszinierenden Zauber. Die langen Facetten wirken sehr elegant und sind, wenn von Meisterhand ausgeführt, aufs Feinste poliert. Der Smaragdschliff besteht üblicherweise aus 57 Facetten. Dies kann aber auch variieren.

Erste Erwähnung unter seinem Namen fand der Smaragdschliff im Art déco. Es ist jedoch belegt, dass dieser Schliff schon früher ausgeführt wurde. Stilistische Eigenschaften dieses Schliffes lassen sich aber bis zu den frühen Tafelschliffen vor etwa 500 Jahren zurückleiten.

TROPFENSCHLIFF

Der Tropfenschliff, zuweilen auch Tränenschliff genannt, vereint zwei eindrucksvolle Schliffformen in einem. Die Kombination aus Brillant- und Marquiseschliff verstärkt durch ihre Vielzahl an Facetten das Feuer im Stein. Die längliche Form des Edelsteins im Tropfenschliff schmeichelt ferner der Trägerin und deren Hand, weil er rein optisch die Finger verlängert.

Der Tropfenschliff geht in seiner Entwicklung zurück bis ins 15. Jahrhundert. Aus Belgien stammte ein visionärer Schleifer, welcher sowohl die Umsetzung des Schliffes geplant, als auch eine entsprechende Diamanten-Polierscheibe entwickelt hat, mit der man die gewünschten Facetten erst erreichen konnte.

Dieser Schleifer, Lodewyk von Berken, ist praktisch der Wegbereiter für sämtliche Feinschliffe von Edelsteinen, da seine selbst entwickelte Polierscheibe die Lichtreflektionen erst richtig zur Geltung gebracht hat.