Produkt-Tag - Victorian - 1837 bis 1901

Viktorianisches Zeitalter

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Das viktorianische Zeitalter beschreibt den langen Zeitabschnitt der 63 Jahre dauernden Regierung Königin Victorias. Während dieser Epoche erlebte das britische Reich eine exorbitante Ausbreitung und wurde zu einer der vier größten Mächte der Welt. In alle Ecken der Erde wurde die britische Zivilisation vorangetrieben und bisher ungekannte industrielle und technische Innovationen veränderten den Alltag der Menschen und steigerten deren Lebensqualität.

Die unübersehbaren und fundierten Belege über den steilen Aufstieg des Reiches lassen ebenfalls hartnäckige Überlieferungen von angeblicher Unterdrücktheit, altmodischem Denken und Handeln sowie Prüderie des Volkes leider etwas fragwürdig erscheinen, scheinen jedoch ebenfalls Realität gewesen zu sein. Es war der Tod des Prinzen Albert im Jahre 1861, welcher den Glanz der Ära mit einem großen Schatten belegte. Schlagartig war Trauerschmuck weit verbreitet. Werke aus dem schwarzen Material Jett waren wie aus dem Nichts allgegenwärtig. Die höchste Qualitätsstufe beanspruchte der Whitbyjet für sich. Außerordentlich aufwendig von Hand geschnitzt, facettiert und poliert wurde Jettschmuck als Halskette, Armband und Ohrringe getragen. Dabei kamen Motive aus Flora und Fauna zur dekorativen Ausführung, wie es für viktorianischen Schmuck typisch war. Fein ausgearbeitete Nuancen und komplizierte Handgravuren zeugen von höchster Kunstfertigkeit der Juweliere jener Epoche. Wir unterscheiden innerhalb des viktorianischen Zeitalters 3 Stilepochen, welche die Lebensumstände perfekt nachvollziehen lassen.


Frühes viktorianisches Zeitalter (1837-1860)

Die romantische Periode

Königin Viktoria bestieg den Thron in der Blütezeit der romantischen Bewegung. Das Interesse am Mittelalter und dem höfischen Leben der Ritter fand seinen Höhepunkt in den Erzählungen Sir Walter Scotts (z.B. „Ivanhoe“) und Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame“. 1834 wurde die sogenannte Tudor Gotik als Stilinspiration der neuen Houses of Parliament gewählt. Was in Literatur und Architektur stattfand, hatte auch seinen Niederschlag in der Schmuckgestaltung. Die Goldschmiede bezogen ihre Motive aus der Renaissance, dem Mittelalter und der Natur. Sie adaptierten diese Themen ohne sie exakt zu kopieren. Es sollte eine Stimmung kreiert werden, keine Replik. Neben den architektonischen Einflüssen war die Natur ebenfalls ein großer Themenlieferant. Blätter, Blüten und Äste sind im Schmuckdesign häufig anzutreffen. Das Naturmotiv aber, welches am häufigsten in der frühviktorianischen Epoche anzutreffen ist, ist die Schlange. Als Symbol der Weisheit und Unendlichkeit war es in dieser Zeit deutlich positiver besetzt als zur heutigen.Einige Materialien definieren diese Epoche am treffendsten. Dazu zählt der Haarschmuck: feinste Gespinste, geflochten und geklöppelt aus Haar, Geschenke als Liebes- und Freundschaftsbeweise. Zudem Saatperlen, die auf Perlmutt aufgenäht wurden und höchst erstaunliche Ornamente hervorbrachten. Und nicht zuletzt Jett, jener edle fossile Werkstoff, der bei der Londoner Weltausstattung 1851 seine Premiere feierte und hernach Schmuckgeschichte schrieb. Bis heute funktioniert antiker Jettschmuck wegen seiner starken und selbstbewussten Aussage als Begleiter zur zeitgenössischen Mode. Alles in allem spiegelt der Schmuck dieser Epoche die frühe viktorianische Gesellschaft wieder: enthusiastisch, optimistisch und neugierig.


Mittleres viktorianisches Zeitalter (1860-1885)

Die Grand Period

Wenn wir generell an die viktorianischen Schmuckstücke denken, dann sind es jene großflächigen, imposanten und selbstbewussten Stücke der mittleren Periode. Es war nicht nur der wachsende Reichtum der Bevölkerung, der sich in diesem Stil wiederspiegelt, sondern auch die Position der Frauen, welche nach und nach in Männerdomänen eindrangen. Beispielsweise war es revolutionär, dass sie ihr eigenes verdientes Geld auch behalten durften! Seit 1870 mussten sie ihren Lohn nicht mehr beim Ehemann abgeben. In den Stücken dieser Zeit finden sich Motive antiker Fundstücke, die in Ninive, Troja und etruskischen Gebieten Italiens ans Tageslicht befördert wurden. Es entstanden hochkarätige Beispiele aus den Werkstätten von Giuliano, Castellani Froment-Meurice, Phillips und Brogden. Schmuckstücke im klassischen Stil hatten einen reichen Besatz großer Farbsteine und das Gold zeigte die typische Oberfläche einer Pfirsichhaut. Dies erfolgte durch ein Verfahren, welches dem Gold eine mattierte, fast samtige Struktur verlieh. Mitte der 1870er Jahre wandelte sich der Geschmack und der Trend ging hin zu farblosen Steinen, in erster Linie Diamanten. Dies lag wohl an den enormen Diamantfunden in Südafrika. Diese Minen, welche erst seit 1867 große Mengen der begehrten Steine ausspien, machten sie einfach preiswerter und zugänglich für größere Bevölkerungsschichten. Auch die technische Entwicklung löste für eine Weile die Vormacht farbigen Schmucks ab. Im neuartigen und sich schnell verbreitenden elektrischen Licht funkelten Diamanten ungewohnt stark und begeisternd.


Spätes viktorianisches Zeitalter (1885-1901)

Ästhetische Periode

Die Spätviktorianer schauten mit Abscheu auf die Selbstzufriedenheit ihrer Eltern und deren Geschmack. Sie strebten den totalen Bruch mit der Tradition an und in ihrem Eifer jede Konvention auszuhebeln, wurden sie auf neue Weise romantisch. Aus der präraffaelistischen Malerbewegung entsprang die Art Worker’s Guild, welche mit ihrer Ausstellung „Arts and Crafts Exhibition“ 1886 die Öffentlichkeit an das handwerkliche Kunstschaffen heranführte. Sie propagierten einfachere Materialien und simplere Formen. Eine Revolution des allgemeinen Geschmacks. Auch der Schmuckgeschmack wurde einfacher. Es wurde generell weniger Schmuck getragen. Diamanten am Tag zu tragen galt schließlich sogar als der Gipfel des schlechten Geschmacks. Jedenfalls wurde zwischen 1887 und 1890 so wenig Schmuck getragen, dass die „Jewellers Association“ sich verzweifelt an Alexandra, die Prinzessin von Wales, wand. Sie kaufte freundlicherweise einige Stücke der Innung und trug sie bei öffentlichen Auftritten. Danach kam der Schmuckhandel wieder etwas in Gang. Es wurden Uhren getragen, die an langen Ketten hingen sowie kleine Ohrringe nahe am Ohr. Zu abendlichen Gelegenheiten, wie einem Ball oder einem Opernbesuch, trug man Diamanten in filigranen Fassungen als Collier. Populär war auch Haarschmuck, wie Kämme oder zarte Tiaras, vorwiegend besetzt mit Diamanten und Perlen. Kaum ein Farbstein war zu sehen! Allgemein wurden die Farben der Kleidung heller, weicher und pastelliger. Entsprechend dazu verhielt sich das Schmuckdesign. Der Stein, der diese Epoche neben dem Diamanten am treffendsten charakterisiert, ist der Opal. Weiterhin favorisierte die Gesellschaft Mondsteine und natürliche Perlen. Kleine Insekten wie Fliegen, Schmetterlinge oder Libellen wurden als Broschen getragen. Ebenfalls gelten diamantbesetzte Eulen, Frösche, Salamander und anderes Getier als typische Repräsentanten dieser Epoche. Die Erscheinung des Schmucks der späten viktorianischen Zeit kann kaum noch als viktorianisch bezeichnet werden. Sie verschmolz mit der Ästhetik des französischen „Art nouveau“ und des deutschen Jugendstils. Dies präsentiert den Beginn eines neuen internationalen Geschmacks und den Beginn der edwardianischen Ära. Eines blieb aber gleich: der Wunsch, das ultimativ Beste zu besitzen, was für Geld zu kaufen war. Eine Haltung, wie sie seit der Weltausstellung 1851 vorherrschte. Also war der Bruch mit Traditionen doch nicht so groß wie er erschien.
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