Oliver Rheinfrank über Leidenschaft, Händlerfreundschaften und die Suche nach außergewöhnlichem Antikschmuck
Als ich vor 20 Jahren gemeinsam mit Dirk Holzfuss begann, Rheinfrank & Holzfuss aufzubauen, konnte eigentlich niemand an Dirk’s Vision eines internationalen Unternehmens für Antikschmuck glauben. Ehrlicherweise ich selbst auch nicht.
Ich arbeitete damals in der Modebranche als Stylist, studierte Kunst, bewegte mich zwischen Mode, Kreativität und schönen Dingen. Und plötzlich sagte Dirk eines Tages nur zu mir: „Oli, das bist Du.“
Ein Antikschmuckgeschäft? Ein Trödelladen?
Antikschmuck war damals nahezu wertlos. Die Zielgruppe war viele Jahrzehnte älter als heute, Antiquitätenhändler galten eher als schwierig und die gesamte Branche wirkte auf Außenstehende wie aus der Zeit gefallen. Viele hielten uns schlichtweg für verrückt.
Als wir schließlich unser kleines Startkapital zusammengespart hatten, führte mich meine erste Einkaufsreise nach Stockholm. Dort betrat ich das Geschäft einer Händlerin, die im Pelzmantel mitten im Laden „Que Sera, Sera“ sang. Ich dachte in diesem Moment wirklich, ich sei im Irrenhaus gelandet. Doch dann sah ich die Schmuckstücke.Die Qualität. Die Handarbeit. Die Eleganz vergangener Jahrhunderte. Die unglaubliche Schönheit jedes einzelnen Rings, jeder Brosche und jedes Colliers. Ich war augenblicklich fasziniert — und sang irgendwann einfach mit.
Es war der Beginn von allem.
Danach ging es weiter nach London, Barcelona, Paris und später quer durch Europa. Die ersten Jahre waren ehrlich gesagt ziemlich strange. Von schönen Hotels waren wir damals noch weit entfernt. Oft schliefen wir irgendwo zwischen Koffern, Schmuckschachteln und Antiquitätenmärkten. Aber unsere Sammlung wuchs. Und mit ihr wuchs langsam auch unser Erfolg.
Eines Tages begegnete ich meiner großen Händlerliebe: Mariad aus Irland.
Mariad war eine deutlich ältere Schmuckhändlerin mit einem kleinen Stand bei ANTIQUARIUS an der Londoner King’s Road — einem legendären Antiquitätenmarkt, auf dem jeder Händler seine eigene kleine Fläche mietete. Für mich war dieser Ort magisch. Alte Möbel, Kunst, Silber, antike Ringe und überall Menschen mit einer unfassbaren Leidenschaft für historische Objekte. Bis irgendwann ein T-Shirt-Unternehmen das Gebäude kaufte und alle Händler hinauswarf.
Doch Mariad blieb bis zuletzt eine der wichtigsten Menschen auf meinem Weg. Sie verstand unsere Vision von Anfang an und unterstützte mich beinahe bis zu ihrem letzten Atemzug. Leider starb sie 2021 im Alter von nur 83 Jahren an Covid.
Ich denke bis heute oft an sie.
Währenddessen veränderte sich auch Rheinfrank & Holzfuss immer weiter. Unser Berliner Showroom wuchs auf 165 Quadratmeter mit über 60 gefüllten Vitrinen. Plötzlich gab es eine Versandabteilung, ein eigenes Fotostudio und Kunden aus aller Welt. Der Einkaufsradius reichte inzwischen von Italien bis in die USA.
Heute betreuen uns über 40 Händler international. Viele davon begleiten uns seit Jahrzehnten. Manche von ihnen sind leider nicht mehr unter uns, und ich möchte diesen großartigen Menschen ausdrücklich danken und gedenken:
Mariad.
Bella.
Martin.
Jean-Louis.
Sie alle waren außergewöhnliche Antikschmuckhändler mit einer unfassbaren Leidenschaft für historische Schmuckkunst, Vintage Schmuck und antike Verlobungsringe. Ohne solche Menschen würde es die Welt des Antikschmucks nicht geben.
Der Erfolg unseres Unternehmens wurde schließlich so groß, dass ich nach London zog, um von dort aus unsere internationalen Händler und Einkäufe zu koordinieren. Dirk wiederum bezog eine Wohnung in Mailand, um näher an unseren Kunden und Kontakten in Italien zu sein.
Im vergangenen Jahr eröffneten wir zusätzlich unseren zweiten — deutlich kleineren — Showroom in München. Für mich war das gleichzeitig die wunderbare Möglichkeit, in meine Lieblingsstadt zurückzukehren, in der ich viele Jahre gelebt habe.
Und plötzlich wurde aus einer verrückten Idee Realität.
Heute ist Antikschmuck modern geworden. Unsere Kunden sind oft um die 30 Jahre alt, international, stilbewusst und meistens völlig verliebt, wenn sie ihr Schmuckstück entdecken. Genau das macht mich glücklich.
Auf diesem Weg möchte ich mich nicht nur bei unseren Kunden bedanken, sondern vor allem auch bei unseren Händlern auf der ganzen Welt. Ohne sie wäre Rheinfrank & Holzfuss niemals möglich gewesen.
Und persönlich möchte ich meinem Geschäftspartner Dirk Holzfuss danken — für seine Geduld, seine Vision und dafür, dass er an diese verrückte Idee geglaubt hat, lange bevor sie Realität wurde.
Alles gut. Auf die nächsten Jahrzehnte.
Danke.
Ihr
Oliver Rheinfrank
In Memoriam
Mariad
Bella
Martin
Jean-Louis
Wir werden Euch niemals vergessen.