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Gebrüder Friedländer Berlin – Hofjuweliere, Goldschmiede und Silberschmiede des Kaiserhauses

Inhaltsverzeichnis

Die Gebrüder Friedländer gehörten über mehr als ein Jahrhundert zu den angesehensten Juwelieren, Goldschmieden und Silberschmieden Berlins. Ihre Geschichte begann im Jahr 1829 am Berliner Schlossplatz und führte das Unternehmen bis an den kaiserlichen Hof. Schmuck, Tafelsilber, Orden, Ehrengeschenke und repräsentative Goldschmiedearbeiten aus dem Hause Friedländer wurden für das preußische Königshaus, den deutschen Kaiserhof, den Adel und das wohlhabende Bürgertum gefertigt.

Die Erzeugnisse der Gebrüder Friedländer stehen heute beispielhaft für die hohe Qualität der Berliner Goldschmiedekunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie verbinden handwerkliche Präzision mit höfischer Eleganz, kostbaren Materialien und einem sicheren Gespür für die wechselnden Stilrichtungen ihrer Zeit – vom Biedermeier und Historismus bis zum Jugendstil und zur sachlicheren Formensprache der 1920er-Jahre.

Obwohl die Firma einst zu den bekanntesten Namen der Berliner Luxuswarenbranche gehörte, ist ihre Geschichte heute nur noch wenigen Sammlern von Antikschmuck aus Berlin, Kunsthistorikern und Liebhabern historischen Silbers vertraut. Das gewaltsame Ende des jüdischen Familienunternehmens während der nationalsozialistischen Herrschaft ließ einen bedeutenden Namen der Berliner Juweliersgeschichte nahezu aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwinden.

Die Gründung von Saling & Friedländer im Jahr 1829

Der Ursprung des späteren Unternehmens Gebrüder Friedländer lag in der Firma Saling & Friedländer, die am 30. März 1829 in Berlin gegründet wurde. Ihr erstes Geschäft befand sich am Schlossplatz 13, in unmittelbarer Nähe des Berliner Schlosses und damit im politischen und gesellschaftlichen Zentrum der preußischen Hauptstadt.

Zu den Gründern gehörten der Kaufmann Zadig Levin Friedländer, der auch unter abweichenden Schreibweisen seines Vornamens überliefert ist, und sein Geschäftspartner Louis Saling. Bereits wenige Jahre nach der Gründung, im Jahr 1832, schied Saling aus dem gemeinsamen Unternehmen aus. Zadig Levin Friedländer führte das Juwelen- und Silberwarengeschäft anschließend allein weiter.

Die Lage am Schlossplatz war für einen auf kostbare Waren spezialisierten Händler von großer Bedeutung. In unmittelbarer Umgebung befanden sich das königliche Schloss, staatliche Behörden, bedeutende Bankhäuser sowie die Wohn- und Geschäftssitze wohlhabender Berliner Familien. Der Standort bot Zugang zu einer Kundschaft, die Schmuck, Silberwaren und repräsentative Geschenke nicht allein als persönliche Kostbarkeiten, sondern auch als sichtbare Zeichen gesellschaftlicher Stellung verstand.

Die Firma entwickelte sich in einer Zeit, in der Berlin von einer preußischen Residenzstadt zu einer modernen europäischen Metropole heranwuchs. Mit der Industrialisierung, der Zunahme des Wohlstands und dem gesellschaftlichen Aufstieg des Bürgertums vergrößerte sich der Markt für hochwertigen Schmuck, Tafelsilber, Uhren, Orden und kunsthandwerkliche Luxusgegenstände.

Zadig Levin Friedländer – Begründer einer Berliner Juwelierdynastie

Zadig Levin Friedländer wurde 1801 in Berlin geboren. Mit der Gründung seines Unternehmens legte er den Grundstein für eine Firma, die über mehrere Generationen in Familienbesitz bleiben sollte.

Sein Geschäft war nicht ausschließlich ein Verkaufsbetrieb. Die spätere Entwicklung des Hauses zeigt, dass Friedländer eng mit der Herstellung von Gold- und Silberwaren verbunden war und zunehmend auch eigene Werkstätten beziehungsweise eine umfangreiche kunsthandwerkliche Produktion unterhielt.

Damit entsprach das Unternehmen dem klassischen Modell eines bedeutenden Juwelierhauses des 19. Jahrhunderts: Entwurf, handwerkliche Ausführung, Verkauf und Beratung waren eng miteinander verknüpft. Größere Aufträge konnten individuell nach den Wünschen der Kunden gestaltet werden. Zugleich bot das Haus ein breites Sortiment an Schmuck, Silberwaren und repräsentativen Gegenständen an.

Nach dem Tod Zadig Levin Friedländers im Jahr 1861 ging die Leitung des Familienunternehmens auf die nächste Generation über. Besonders sein Sohn Siegmund Friedländer spielte beim weiteren Ausbau des Hauses eine entscheidende Rolle. Unter seiner Führung begann die eigentliche Blütezeit der Firma.

Vom Juweliergeschäft zum Hofjuwelier des deutschen Kaisers

Der wirtschaftliche Aufstieg der Gebrüder Friedländer fiel in eine Zeit tiefgreifender Veränderungen. Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871 wurde Berlin zur Reichshauptstadt. Die Stadt wuchs in rasantem Tempo und entwickelte sich zu einem der wichtigsten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentren Europas.

Der kaiserliche Hof, die zahlreichen Ministerien, das diplomatische Corps, das Militär, die neue wirtschaftliche Elite sowie ein wohlhabendes Großbürgertum erzeugten eine starke Nachfrage nach luxuriösen und repräsentativen Objekten. Schmuck und Silber dienten nicht nur als persönlicher Besitz. Sie wurden zu Hochzeiten, Jubiläen, Staatsbesuchen, militärischen Anlässen und gesellschaftlichen Ehrungen verschenkt.

Die Gebrüder Friedländer verstanden es, sich in diesem Umfeld als eines der führenden Berliner Juwelierhäuser zu etablieren. Das Unternehmen erhielt den Titel eines Hofjuweliers und fertigte Arbeiten für das preußische Königshaus und das deutsche Kaiserhaus.

Der Hoflieferantentitel war weit mehr als eine dekorative Bezeichnung. Er galt als sichtbarer Beleg für Qualität, Zuverlässigkeit und gesellschaftliches Ansehen. Unternehmen, die den Hof belieferten, mussten in der Lage sein, besonders anspruchsvolle Einzelanfertigungen auszuführen, Aufträge termingerecht zu erfüllen und mit kostbaren Materialien verantwortungsvoll umzugehen.

Für ein Juwelierhaus war die Verbindung zum Hof zugleich eine außerordentlich wirksame Empfehlung. Was am Kaiserhof getragen, benutzt oder verschenkt wurde, fand auch bei Adel, Militär, Diplomatie und gehobenem Bürgertum große Beachtung.

Schmuck für Berlin, Preußen und den Kaiserhof

Das Angebot der Gebrüder Friedländer umfasste eine große Bandbreite kunsthandwerklicher Erzeugnisse. Dazu gehörten unter anderem:

Diamant- und Perlenschmuck, Broschen, Colliers, Armbänder, Ringe, Ohrringe, Manschettenknöpfe, Hemd- und Kragenknöpfe, Krawattennadeln, Medaillons, Uhren, Orden, Ehrenzeichen, Pokale, Schalen, Leuchter, Bestecke, Kaffee- und Teeservice sowie umfangreiche Tafelaufsätze und Prunkgefäße.

Derartige Objekte wurden sowohl für den privaten Gebrauch als auch als offizielle Geschenke gefertigt. Besonders hochwertige Arbeiten entstanden häufig aus Silber oder Gold und wurden mit Email, Edelsteinen, Naturperlen, Monogrammen, Wappen oder Widmungen versehen.

Ein erhaltenes Beispiel für die höfische Produktion ist ein zwischen 1872 und 1874 gefertigtes Kreuz des Königlichen Kronen-Ordens. Das heute im Deutschen Historischen Museum bewahrte Stück besteht aus Gold und Email und wird den Hofjuwelieren Gebrüder Friedländer als Hersteller zugeschrieben.

Auch weitere Objekte aus dem Umfeld Kaiser Wilhelms I. und Kaiser Wilhelms II. tauchen heute in Museumsbeständen sowie im internationalen Kunsthandel auf. Dazu zählen Bestecke, Platten, Service- und Repräsentationsstücke, die teilweise mit kaiserlichen Monogrammen oder Besitzzeichen versehen sind.

Berliner Silber von Gebrüder Friedländer

Ein besonders wichtiger Teil der Produktion war das Berliner Silber der Gebrüder Friedländer. Die Firma fertigte sowohl kleinere Gebrauchsgegenstände als auch aufwendig gestaltete Tafel- und Prunkstücke.

Erhaltene Arbeiten zeigen, dass das Unternehmen verschiedene Stilrichtungen sicher beherrschte. Manche Stücke orientieren sich an barocken oder klassizistischen Vorbildern, andere zeigen Formen des Historismus, des Jugendstils oder der frühen Moderne. Häufig wurden traditionelle Gefäßformen mit zeitgemäßen Ornamenten verbunden.

Typisch für repräsentatives Silber dieser Epoche waren plastisch gearbeitete Griffe, Wappen, Kronen, Lorbeerzweige, Akanthusornamente, Girlanden, figürliche Darstellungen und aufwendig modellierte Füße. Bei höfischen Aufträgen konnten zusätzlich Herrschaftssymbole, Monogramme oder konkrete Bezüge zum Anlass der Schenkung eingearbeitet werden.

Die Qualität dieser Arbeiten erklärt, weshalb Silber von Gebrüder Friedländer bis heute auf Auktionen und im qualifizierten Kunsthandel gesucht wird. Dabei reicht das erhaltene Spektrum von schlichten Bestecken und kleinen Schalen bis zu umfangreichen Kaffee- und Teeservicen, Tafelaufsätzen und außergewöhnlichen höfischen Einzelanfertigungen.

Die Werkstätten der Gebrüder Friedländer

Gebrüder Friedländer war nicht nur ein Händler mit einem repräsentativen Ladengeschäft, sondern verfügte über eine bedeutende kunsthandwerkliche Fertigung. Historische Ausstellungsunterlagen nennen die Werkstatt der Firma im Zusammenhang mit anspruchsvollen Silberarbeiten und offiziellen Geschenken.

In solchen Werkstätten arbeiteten zahlreiche spezialisierte Handwerker zusammen. Dazu konnten Gold- und Silberschmiede, Ziseleure, Graveure, Emailleure, Fasser, Polisseure, Modelleure und Zeichner gehören. Aufwendige Einzelstücke entstanden daher häufig nicht durch die Arbeit eines einzelnen Goldschmieds, sondern durch das koordinierte Zusammenwirken verschiedener Fachleute.

Bei großen höfischen Aufträgen konnten zusätzlich externe Künstler, Architekten oder Bildhauer beteiligt sein. Der Entwurf eines Objekts und seine handwerkliche Ausführung mussten nicht zwangsläufig von derselben Person stammen. So wurde bei bedeutenden Repräsentationsstücken teilweise ausdrücklich zwischen Entwurf, Modellierung und Ausführung in der Werkstatt unterschieden.

Gerade diese Verbindung aus künstlerischer Gestaltung und hoch spezialisierter handwerklicher Produktion machte die führenden Berliner Hofjuweliere international konkurrenzfähig.

Schlossplatz 15 – ein Juwelierhaus gegenüber dem Berliner Schloss

Im Laufe der Firmengeschichte wurde das Geschäft am Schlossplatz unter unterschiedlichen Hausnummern geführt. In der späteren Firmenchronik wird Schlossplatz 15 als eine der zentralen Adressen des Hauses genannt.

Der Schlossplatz war einer der prestigeträchtigsten Standorte Berlins. Das Berliner Schloss bildete den Mittelpunkt der preußischen und später deutschen Monarchie. In der näheren Umgebung lagen der Lustgarten, der Berliner Dom, die Museumsinsel und die wichtigsten Straßen der historischen Stadtmitte.

Für einen Hofjuwelier war diese Lage ideal. Kunden aus dem Hofstaat, Angehörige des Adels, Offiziere, Beamte, Diplomaten und wohlhabende Berlinbesucher konnten das Geschäft auf kurzem Wege erreichen.

Die Gebrüder Friedländer waren damit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch räumlich eng mit dem alten Berliner Machtzentrum verbunden. Ihre Adresse wurde zu einem Bestandteil der Identität des Unternehmens.

Unter den Linden 4a – Gebrüder Friedländer im Herzen Berlins

Neben dem Geschäft am Schlossplatz unterhielten die Gebrüder Friedländer später einen bedeutenden Standort Unter den Linden 4a. Die Adresse erschien auch auf der 1929 veröffentlichten Jubiläumsschrift zum hundertjährigen Bestehen des Unternehmens.

Der Boulevard Unter den Linden war eine der berühmtesten Straßen Berlins. Er führte vom Stadtschloss in Richtung Brandenburger Tor und war von Palais, Hotels, Banken, Botschaften, Geschäften und kulturellen Einrichtungen geprägt.

Für ein Luxusunternehmen bedeutete eine Adresse Unter den Linden maximale Sichtbarkeit und gesellschaftliches Prestige. Hier bewegten sich Berliner, internationale Gäste, Diplomaten, Künstler, Angehörige des Adels und Vertreter der Wirtschaft.

Historische Fotografien des Geschäfts vermitteln den Eindruck großzügiger, vornehm eingerichteter Verkaufsräume. Schmuck und Silberwaren wurden nicht wie gewöhnliche Handelsprodukte präsentiert, sondern in einem repräsentativen Ambiente, das Vertrauen, Diskretion und Exklusivität ausstrahlte.

Gebrüder Friedländer und Kaiser Wilhelm II.

Die Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. von 1888 bis 1918 war für die Berliner Hofjuweliere eine Phase besonders zahlreicher repräsentativer Aufträge. Das Kaiserreich pflegte eine ausgeprägte Kultur offizieller Geschenke, Orden, Jubiläumspräsente und militärischer Erinnerungsstücke.

Silberarbeiten der Gebrüder Friedländer wurden für den kaiserlichen Haushalt und für Geschenke im Umfeld des Hofes verwendet. Erhaltene Stücke mit dem Monogramm Wilhelms II. belegen die Nähe des Unternehmens zur höfischen Repräsentationskultur.

Dabei sollte die Bezeichnung „Juwelier des Kaisers“ nicht so verstanden werden, als habe ausschließlich ein einziges Unternehmen den Hof beliefert. Neben den Gebrüdern Friedländer arbeiteten auch andere bedeutende Berliner Hofjuweliere und Goldschmiedefirmen für das Kaiserhaus. Dennoch gehörte Friedländer zweifellos zum engsten Kreis der angesehenen Berliner Häuser, denen besonders anspruchsvolle Aufträge anvertraut wurden.

Die Verbindung zum Kaiserhof prägte die öffentliche Wahrnehmung der Firma. Auf Rechnungen, Anzeigen, Etuis und Geschäftsdrucksachen konnte auf die Hoflieferantenstellung hingewiesen werden. Für Käufer war dies ein Gütezeichen, das die Herkunft eines Schmuckstücks oder Silberobjekts zusätzlich aufwertete.

Kaiserliche Hochzeiten, Jubiläen und Ehrengeschenke

Das 19. und frühe 20. Jahrhundert war eine Blütezeit repräsentativer Geschenke. Städte, Provinzen, Regimenter, Verbände, Unternehmen und private Vereinigungen überreichten Herrschern und hochrangigen Persönlichkeiten kostbare Ehrengaben.

Solche Geschenke mussten ihre symbolische Botschaft auf den ersten Blick vermitteln. Sie konnten regionale Wappen, Figuren, allegorische Darstellungen, historische Szenen oder Bezüge zum Beruf und Rang des Empfängers enthalten. Der materielle Wert war wichtig, doch ebenso entscheidend waren die individuelle Gestaltung und die politische oder persönliche Aussage des Objekts.

Die Werkstätten der Gebrüder Friedländer waren für derartige Aufgaben besonders geeignet. Sie verfügten über die handwerklichen Möglichkeiten, große Silberobjekte, Edelmetallarbeiten und mit Steinen besetzte Einzelanfertigungen nach komplexen Entwürfen auszuführen.

So wurden die Gebrüder Friedländer zu Mitgestaltern der höfischen und staatlichen Repräsentationskultur des Kaiserreichs.

Die Stilwelt der Gebrüder Friedländer

Da die Firma mehr als hundert Jahre bestand, lässt sich ihr Werk nicht auf einen einzigen Schmuckstil reduzieren. Die Gebrüder Friedländer passten ihre Entwürfe an den Geschmack verschiedener Generationen und Auftraggeber an.

Biedermeier und frühes 19. Jahrhundert

In der Frühzeit des Unternehmens waren klare, ausgewogene Formen, feine Goldarbeiten und Schmuck mit farbigen Steinen, Perlen oder Erinnerungssymbolen verbreitet. Schmuck war häufig eng mit familiären Ereignissen verbunden und wurde als Verlobungs-, Hochzeits-, Trauer- oder Erinnerungsschmuck getragen.

Historismus und Kaiserzeit

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts griff der Historismus Formen vergangener Epochen auf. Renaissance, Barock, Rokoko, Gotik und Klassizismus wurden neu interpretiert. Die Kombination unterschiedlicher historischer Motive war kein Widerspruch, sondern Ausdruck einer bewusst repräsentativen Formensprache.

Für Hofjuweliere bot der Historismus besonders viele Möglichkeiten. Kronen, Wappen, Adler, Lorbeer, Kartuschen und andere herrschaftliche Symbole ließen sich wirkungsvoll in Schmuck und Silberarbeiten integrieren.

Jugendstil um 1900

Um die Jahrhundertwende veränderte sich die Gestaltung. Fließende Linien, Blumen, Blätter, weibliche Profile und naturalistische Motive gewannen an Bedeutung. Auch asymmetrische Kompositionen und eine stärkere Betonung der künstlerischen Gesamtform wurden modern.

Nicht jedes Stück der Gebrüder Friedländer aus dieser Zeit ist im ausgeprägten Jugendstil gestaltet. Ein renommiertes Hofjuwelierhaus musste sowohl traditionelle als auch moderne Kunden bedienen. Daher bestanden konservative, historistische und zeitgenössische Entwürfe nebeneinander.

Art déco und die 1920er-Jahre

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Schmuck und Silber häufig geometrischer und sachlicher. Klare Linien, symmetrische Formen und kontrastreiche Materialkombinationen prägten den internationalen Art déco.

Auch ein traditionsreiches Haus wie Gebrüder Friedländer musste auf diese Veränderungen reagieren. Das Unternehmen blieb in den 1920er-Jahren aktiv und konnte 1929 noch sein hundertjähriges Bestehen feiern.

Naturperlen, Diamanten und kostbare Edelsteine

Historischer Schmuck der Gebrüder Friedländer wurde aus hochwertigen Materialien gefertigt. Besonders Diamanten und Naturperlen spielten im repräsentativen Schmuck des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle.

Vor der breiten Verfügbarkeit kultivierter Perlen gehörten echte Naturperlen zu den kostbarsten organischen Schmuckmaterialien. Gleichmäßig geformte und farblich passende Perlen waren selten und konnten entsprechend hohe Preise erzielen.

Kleine Schmuckstücke wie Kragenknöpfe, Hemdknöpfe, Broschen oder Nadeln konnten daher trotz ihrer zurückhaltenden Größe einen erheblichen materiellen Wert besitzen. Gerade bei Herrenschmuck zeigte sich Luxus häufig nicht durch auffällige Dimensionen, sondern durch die Qualität der Steine, die Präzision der Fassung und die Herkunft aus einem angesehenen Juwelierhaus.

Diamanten wurden je nach Entstehungszeit in historischen Schliffformen verarbeitet. Dazu gehörten unter anderem Rosenschliffe und verschiedene Vorformen des modernen Brillantschliffs. Die individuellen Proportionen dieser Steine prägen den besonderen Charakter antiken Schmucks.

Orden und Ehrenzeichen aus dem Hause Friedländer

Neben Schmuck und Silberwaren fertigten die Gebrüder Friedländer auch Orden und Ehrenzeichen. Dieser Produktionszweig war für einen Hofjuwelier von besonderer Bedeutung.

Orden bestanden häufig aus Gold oder vergoldetem Silber und wurden mit farbigem Email versehen. Ihre Herstellung verlangte außerordentliche Präzision, da Form, Farben, Inschriften und Symbole verbindlichen Vorgaben entsprechen mussten.

Ein im Deutschen Historischen Museum erhaltenes Exemplar des Königlichen Kronen-Ordens dokumentiert die Tätigkeit der Gebrüder Friedländer auf diesem Gebiet. Das zwischen 1872 und 1874 entstandene Stück zeigt, dass das Unternehmen bereits in den frühen Jahren des Kaiserreichs mit offiziellen Auszeichnungen verbunden war.

Heute sind korrekt zugeordnete Orden und Ehrenzeichen bedeutende historische Quellen. Sie verbinden Goldschmiedekunst mit Militär-, Staats- und Gesellschaftsgeschichte.

Die Punzen von Gebrüder Friedländer

Originale Schmuck- und Silberarbeiten des Hauses können unterschiedliche Hersteller- und Feingehaltsmarken tragen. Häufig begegnet auf Silberobjekten der ausgeschriebene Firmenname oder eine entsprechende Friedländer-Marke in Verbindung mit dem Feingehalt.

Bei deutschem Silber des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind insbesondere Feingehaltsangaben wie 800, 835 oder 925 möglich. Daneben können Halbmond und Reichskrone als gesetzliche deutsche Silberzeichen erscheinen. Auf älteren Stücken können jedoch andere Markierungssysteme vorkommen.

Eine Friedländer-Signatur allein ersetzt keine vollständige kunsthistorische Prüfung. Bei der Zuschreibung sollten immer die Form der Marke, der Feingehalt, die weiteren Punzen, die Verarbeitung, die Stilmerkmale und die Provenienz gemeinsam betrachtet werden.

Auch ist zwischen einem Werkstattzeichen, einer Verkaufsmarke und dem Namen des ausführenden Goldschmieds zu unterscheiden. Ein Gegenstand, der bei Gebrüder Friedländer verkauft wurde, muss nicht in jedem Fall vollständig in den eigenen Werkstätten entstanden sein. Umgekehrt können Arbeiten des Hauses durch spätere Veränderungen oder Reparaturen zusätzliche Punzen tragen.

Für Sammler von Gebrüder-Friedländer-Schmuck und historischem Berliner Silber ist daher eine sorgfältige Untersuchung unerlässlich.

Das hundertjährige Firmenjubiläum von 1929

Im Jahr 1929 feierten die Gebrüder Friedländer ihr hundertjähriges Bestehen. Zu diesem Anlass erschien eine aufwendig gestaltete private Jubiläumsschrift mit dem Titel „Gebrüder Friedländer 1829–1929“ beziehungsweise „100 Jahre Gebr. Friedländer“.

Die Publikation war den Freunden und Gönnern des Hauses gewidmet und wurde offenbar nicht für den allgemeinen Buchhandel, sondern nur in begrenztem Umfang verbreitet. Sie enthielt Informationen über die Gründung, die Entwicklung des Unternehmens, mehrere Generationen der Familie und die Gold- und Silberwarenproduktion.

Auf der Jubiläumsschrift wurden die Berliner Adressen Schlossplatz 15 und Unter den Linden 4a genannt. Damit dokumentiert sie die enge Verbindung des Unternehmens zu zwei der prominentesten Orte der historischen Berliner Mitte.

Das Jubiläum fiel allerdings in eine schwierige Zeit. Deutschland befand sich am Ende der sogenannten Goldenen Zwanziger. Noch im selben Jahr begann die Weltwirtschaftskrise, die Handel, Industrie und private Vermögen schwer traf. Nur vier Jahre später übernahmen die Nationalsozialisten die Macht.

Gebrüder Friedländer als jüdisches Familienunternehmen

Die Geschichte der Gebrüder Friedländer ist zugleich ein bedeutendes Kapitel deutsch-jüdischer Wirtschafts- und Kulturgeschichte.

Jüdische Unternehmer, Kaufleute, Goldschmiede und Juweliere hatten einen wichtigen Anteil am Aufstieg Berlins zu einer internationalen Handels- und Kulturmetropole. Sie gründeten Unternehmen, bildeten Fachkräfte aus, förderten Kunst und Wissenschaft und trugen wesentlich zum wirtschaftlichen Leben der Stadt bei.

Auch die Gebrüder Friedländer waren über Generationen eng mit Berlin, Preußen und Deutschland verbunden. Dass ein jüdisches Familienunternehmen den preußischen Königshof und den deutschen Kaiser belieferte, zeigt, wie selbstverständlich jüdische Unternehmer an der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des Kaiserreichs beteiligt waren.

Diese historische Verbundenheit schützte die Familie nach 1933 jedoch nicht vor antisemitischer Ausgrenzung, wirtschaftlicher Verfolgung und Enteignung.

Verfolgung nach 1933

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 verschlechterten sich die Bedingungen für jüdische Unternehmen in Deutschland systematisch.

Boykottmaßnahmen, öffentliche Diffamierung, behördliche Schikanen, Berufsverbote, Kreditbeschränkungen und der Ausschluss aus wirtschaftlichen Organisationen dienten dazu, jüdische Inhaber aus dem Geschäftsleben zu verdrängen. Kunden wurden unter Druck gesetzt, jüdische Geschäfte zu meiden. Zugleich verloren viele Unternehmen ihre Lieferanten, Aufträge und Finanzierungsmöglichkeiten.

Der nationalsozialistische Begriff „Arisierung“ verharmloste diesen Vorgang. Tatsächlich handelte es sich um eine staatlich organisierte Enteignung und die Übertragung jüdischen Eigentums an nichtjüdische Erwerber. Verkäufe fanden häufig unter Zwang, weit unter dem tatsächlichen Wert und unter Bedingungen statt, die den bisherigen Eigentümern kaum Handlungsspielraum ließen.

Auch die traditionsreichen Gebrüder Friedländer waren davon betroffen.

Die erzwungene Übernahme im Jahr 1938

Die Berliner Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe verzeichnet für das Unternehmen Gebrüder Friedländer eine Besitzübernahme im Jahr 1938. Als nachfolgender Firmenname erscheint Deutsche Goldschmiedekunst-Werkstätten, Inhaber Dr. Kurt Herrmann.

Damit endete die mehr als hundertjährige Geschichte des jüdischen Familienunternehmens Gebrüder Friedländer in seiner bisherigen Form.

In zeitgenössischen Adressbuchangaben und späteren Darstellungen tauchen unterschiedliche Hausnummern und Bezeichnungen auf. Sicher belegt ist jedoch, dass der Betrieb in der NS-Zeit aus jüdischem Eigentum verdrängt, übernommen und unter einem neuen, demonstrativ „deutschen“ Namen weitergeführt wurde.

Diese Umbenennung war kein neutraler geschäftlicher Vorgang. Sie sollte die jüdische Herkunft und die Leistungen der Familie Friedländer aus der öffentlichen Wahrnehmung tilgen, während Geschäft, Warenbestand, Werkstätten, Kundenbeziehungen und der über Generationen aufgebaute Ruf wirtschaftlich weiterverwendet werden konnten.

Die Enteignung der Gebrüder Friedländer steht damit exemplarisch für das Schicksal zahlreicher jüdischer Traditionsunternehmen in Berlin.

Was geschah mit der Familie nach dem Verlust der Firma?

Um das Schicksal der Menschen hinter dem Unternehmen richtig einzuordnen, muss zunächst zwischen dem historischen Firmennamen Gebrüder Friedländer und den tatsächlichen Eigentümerfamilien des Jahres 1938 unterschieden werden.

Der letzte Angehörige der Familie Friedländer, der selbst an der Leitung des Juwelierhauses beteiligt gewesen war, war Felix Friedländer, ein Enkel des Firmengründers Zadig Levin Friedländer. Er starb bereits am 30. September 1914 im Alter von nur 45 Jahren. Seine Geschwister hatten andere berufliche Wege eingeschlagen: Ernst Friedländer wurde Bankier, Max Julius Friedländer einer der international bedeutendsten Kunsthistoriker seiner Zeit und Clara Amalie Friedländer heiratete den Juristen Ernst Oppenheim.

Nach Felix Friedländers Tod blieb der traditionsreiche Firmenname erhalten. Das Unternehmen wurde jedoch fortan von den Familien Herz und Strauß geführt, die bereits durch langjährige Teilhaberschaften und Heiraten eng mit der Familie Friedländer verbunden waren. Bei der Enteignung im Jahr 1938 waren vor allem Dr. Theodor Herz und Fritz Strauß beziehungsweise deren Familien die wirtschaftlich Betroffenen.

Die Familie Herz

Die Familie Herz war durch Hermann Herz mit dem Unternehmen verbunden. Hermann Herz hatte 1894 Else Friedländer, eine Tochter des früheren Firmeninhabers Theodor Friedländer, geheiratet. Auf diese Weise verbanden sich die Familien Friedländer und Herz auch verwandtschaftlich.

Nach dem Tod Hermann Herz’ im Jahr 1923 trat sein Sohn Dr. Theodor Herz in die Firmenleitung ein. Gemeinsam mit Fritz Strauß repräsentierte er beim hundertjährigen Firmenjubiläum 1929 die vierte Generation des Unternehmens.

Else Herz, geborene Friedländer, erlebte die endgültige Enteignung der Firma nicht mehr. Sie starb am 20. März 1936 in Berlin. Ihre Tochter Nora Herz, geboren 1906, befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in England und lebte in London. Später heiratete sie Max Salomon und zog mit ihm nach Norwegen. Sie starb 1999 in Oslo.

Auch Noras Brüder konnten Deutschland beziehungsweise Europa rechtzeitig verlassen. Günther Herz hatte sich bereits 1925 in New York niedergelassen. Sein Bruder Walter Herz lebte spätestens seit Ende der 1920er-Jahre ebenfalls in den Vereinigten Staaten. Ihre Auswanderung erfolgte damit zwar schon vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, bewahrte sie aber später vor der unmittelbaren Verfolgung in Deutschland.

Über das weitere Leben des Firmeninhabers Dr. Theodor Herz ist die Quellenlage weniger eindeutig. Nach bisher bekannten familiengeschichtlichen Angaben soll es ihm gemeinsam mit seiner Ehefrau gelungen sein, Deutschland zu verlassen. Als späterer Sterbeort wird Buenos Aires in Argentinien genannt. Ein abschließender archivalischer Beleg für alle Stationen seiner Flucht und seines Lebens im Exil liegt jedoch bislang nicht öffentlich zugänglich vor.

Diese Unsicherheit sollte ausdrücklich benannt werden. Sicher ist, dass Angehörige der Familie Herz Deutschland verließen und ihr bisheriges Leben in Berlin verloren. Die Flucht bedeutete nicht nur den Verlust der Firma, sondern auch die Aufgabe von Heimat, gesellschaftlicher Stellung, Besitz und eines über Generationen aufgebauten familiären Umfeldes.

Die Familie Strauß

Auch die Familie Strauß war bereits seit dem späten 19. Jahrhundert an Gebrüder Friedländer beteiligt. Heinrich Strauß trat 1896 als Teilhaber in das Unternehmen ein. Später folgte sein Sohn Paul Strauß, der als hervorragender Kenner von Edelsteinen galt.

Nach Paul Strauß’ frühem Tod im Jahr 1922 blieben seine Witwe Betty Strauß, geborene Pincsohn, und die Söhne Fritz und Heinrich zurück. Fritz Strauß trat in die Firmenleitung ein und führte das Haus später gemeinsam mit Dr. Theodor Herz.

Historische Berliner Adressbücher zeigen, dass das Grundstück Unter den Linden 67 – zuvor Unter den Linden 4a – im Jahr 1938 noch den Erben der Familie Herz und Betty Strauß gehörte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Betty Strauß bereits im Ausland.

Die überlieferten Darstellungen berichten, dass die Angehörigen der Familien Herz und Strauß ihr Leben durch die Flucht retten konnten. Sie konnten jedoch nur einen Teil ihres Besitzes mitnehmen. Vor ihrer Ausreise wurden jüdische Emigranten durch die sogenannte Reichsfluchtsteuer, die Judenvermögensabgabe, Devisenbestimmungen und weitere staatliche Zwangsmaßnahmen systematisch ausgeplündert.

Eine Emigration war deshalb kein freier Umzug und auch keine gewöhnliche geschäftliche Entscheidung. Die Familien wurden aus Deutschland vertrieben und mussten ihre wirtschaftliche Existenz unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgung aufgeben.

Flucht statt eines freiwilligen Verkaufs

Vereinzelt findet sich die Darstellung, Dr. Kurt Herrmann habe den jüdischen Eigentümern durch die Übernahme des Unternehmens die Ausreise ermöglicht. Selbst wenn persönliche Kontakte bei der Beschaffung von Ausreisepapieren eine Rolle gespielt haben sollten, darf daraus kein freiwilliger oder fairer Verkauf abgeleitet werden.

Die Übertragung fand 1938 unter einem Regime statt, das jüdische Unternehmer entrechtete, wirtschaftlich isolierte und zur Aufgabe ihres Eigentums zwang. Für die Betroffenen bestand keine freie Verhandlungsposition. Der Kaufpreis, die Verfügung über das Geld und selbst die Möglichkeit, Vermögenswerte ins Ausland mitzunehmen, wurden durch nationalsozialistische Behörden kontrolliert.

In der Berliner Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe ist der Vorgang daher zutreffend als Besitzübernahme im Jahr 1938 verzeichnet. Am 2. November 1938 erscheint das Unternehmen bereits unter dem Namen Deutsche Goldschmiedekunst-Werkstätten, Inhaber Dr. Kurt Herrmann.

Die Bezeichnung „Arisierung“ stammt aus der Sprache der Täter. Sie verschleiert, dass es sich um die erzwungene Verdrängung jüdischer Eigentümer und um die Aneignung ihres Unternehmens, ihres Grundstücks und ihres wirtschaftlichen Lebenswerks handelte.

Deutsche Goldschmiedekunst-Werkstätten unter Kurt Herrmann

Nach der Übernahme wurde der Betrieb als Deutsche Goldschmiedekunst-Werkstätten unter der Leitung beziehungsweise Inhaberschaft von Dr. Kurt Herrmann weitergeführt.

Bereits der neue Name ist historisch aufschlussreich. Er ersetzte den weithin bekannten jüdischen Familiennamen Friedländer durch eine national und handwerklich klingende Firmenbezeichnung. Auf diese Weise sollte Kontinuität in der Produktion vermittelt werden, während die tatsächliche Enteignung der früheren Eigentümer unsichtbar gemacht wurde.

Die Geschichte darf deshalb nicht so erzählt werden, als sei Gebrüder Friedländer lediglich verkauft oder regulär umbenannt worden. Der Eigentumswechsel fand unter den Bedingungen nationalsozialistischer Judenverfolgung statt und war Teil der systematischen Ausschaltung jüdischer Menschen aus dem deutschen Wirtschaftsleben.

Der Name Friedländer verschwand – der Betrieb wurde weitergenutzt

Mit der Übernahme wurde nicht nur das Eigentum übertragen. Auch der traditionsreiche jüdische Familienname verschwand aus der Firma. Aus den Gebrüdern Friedländer wurden die Deutschen Goldschmiedekunst-Werkstätten.

Der neue Name erweckte den Eindruck eines traditionsbewussten, national geprägten Handwerksunternehmens. Tatsächlich beruhten dessen Geschäftsräume, Kundenbeziehungen, Werkstätten und wirtschaftlicher Ruf auf der mehr als hundertjährigen Aufbauleistung der Familien Friedländer, Herz und Strauß.

Der neue Eigentümer Dr. Kurt Herrmann war preußischer Staatsrat und verfügte über Beziehungen zu führenden Vertretern des nationalsozialistischen Staates. 1939 wurde er sowohl als Eigentümer des Grundstücks als auch als Inhaber des umbenannten Unternehmens geführt. Die früheren jüdischen Eigentümer hatten Berlin verlassen müssen.

Das Schicksal von Max J. Friedländer

Zu den bekanntesten Angehörigen der weiteren Familie gehörte Max Julius Friedländer, der Bruder des letzten Firmeninhabers Felix Friedländer. Er war nicht als Juwelier tätig, blieb der Geschichte des Hauses jedoch eng verbunden und verfasste das Vorwort zur Jubiläumsschrift von 1929.

Max J. Friedländer war ein international anerkannter Kunsthistoriker und einer der wichtigsten Kenner der altniederländischen Malerei. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde auch er nach 1933 zunehmend ausgegrenzt. Im Jahr 1939 verließ er Deutschland und ging in die Niederlande.

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande geriet er erneut in Gefahr. Trotz seiner internationalen Bekanntheit war sein Überleben keineswegs selbstverständlich. Er blieb während der Besatzungszeit in Amsterdam und überstand die nationalsozialistische Verfolgung. Nach dem Krieg erhielt er die niederländische Staatsangehörigkeit. Er starb 1958 in Amsterdam.

Sein Lebensweg verdeutlicht, dass selbst Angehörige einer hoch angesehenen Berliner Familie, die seit Generationen mit der preußischen und deutschen Kultur verbunden war, durch den Nationalsozialismus aus Deutschland vertrieben wurden.

Restitution nach der deutschen Wiedervereinigung

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Gebäude Unter den Linden im sowjetischen Sektor Berlins und später in der DDR. Das vor Ort verbliebene Vermögen wurde nicht unmittelbar an die früheren Eigentümerfamilien zurückgegeben.

Erst nach der deutschen Wiedervereinigung konnte das Grundstück Unter den Linden 67 an die Erben der Familien Herz und Strauß restituiert werden. Damit erhielten die Nachfahren einen Teil des früheren Eigentums zurück. Die mehr als hundertjährige Firma Gebrüder Friedländer ließ sich jedoch nicht wiederherstellen. Kundenstamm, Warenbestand, Werkstätten, gesellschaftliche Stellung und familiäre Kontinuität waren unwiederbringlich verloren.

Die Restitution des Grundstücks war deshalb eine späte rechtliche Anerkennung des geschehenen Unrechts – aber keine vollständige Wiedergutmachung.

Vertreibung, Exil und ein unwiederbringlicher Verlust

Die Angehörigen der Familien Herz und Strauß konnten nach derzeitigem Forschungsstand überwiegend ihr Leben retten. Sie wurden jedoch aus Berlin vertrieben und über mehrere Länder und Kontinente verstreut. England, die Vereinigten Staaten, Norwegen und vermutlich Argentinien wurden zu neuen Lebensorten.

Hinter der nüchternen Formulierung „Die Familie emigrierte“ verbargen sich der Verlust der Heimat, die Trennung von Verwandten und Freunden, die Aufgabe beruflicher Lebenswerke und der erzwungene Neubeginn in fremden Ländern.

Die Gebrüder Friedländer verschwanden somit nicht einfach aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen vom Markt. Das Unternehmen wurde seinen jüdischen Eigentümern unter den Bedingungen nationalsozialistischer Verfolgung genommen. Der traditionsreiche Name wurde beseitigt, während die materiellen Werte des Hauses von anderen weitergenutzt wurden.

Dass die Familienangehörigen fliehen und überleben konnten, mindert das erlittene Unrecht nicht. Ihre Geschichte gehört untrennbar zur Geschichte der Gebrüder Friedländer – ebenso wie die prachtvollen Schmuckstücke, das kaiserliche Tafelsilber und die berühmten Geschäftsräume Unter den Linden.

Was geschah mit den historischen Geschäftsräumen?

Die städtebauliche Umgebung der historischen Friedländer-Standorte wurde durch den Zweiten Weltkrieg und die anschließende Neugestaltung des Berliner Zentrums tiefgreifend verändert.

Das alte Berliner Schloss wurde nach schweren Kriegsschäden 1950 auf Beschluss der DDR-Führung gesprengt. Zahlreiche historische Gebäude am Schlossplatz und am östlichen Abschnitt der Straße Unter den Linden waren zerstört worden oder verschwanden bei späteren Umbauten.

Die heutigen Adressen und Straßenräume lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres mit der Situation des 19. und frühen 20. Jahrhunderts vergleichen. Historische Hausnummern wurden teilweise verändert, Grundstücke neu zugeschnitten und ganze Gebäudefluchten beseitigt.

Wer heute nach den Spuren der Gebrüder Friedländer in Berlin sucht, bewegt sich dennoch im Kerngebiet der alten Stadt: zwischen Schlossplatz, Museumsinsel, Unter den Linden und dem historischen Banken- und Geschäftsviertel von Berlin-Mitte.

Gebrüder Friedländer heute – gesucht von Sammlern und Museen

Originale Arbeiten der Gebrüder Friedländer befinden sich heute in Museen, privaten Sammlungen und im internationalen Kunsthandel.

Besonders gefragt sind:

signierte Schmuckstücke, Diamant- und Perlenschmuck, höfische Geschenke, Silberwaren mit kaiserlichen Monogrammen, umfangreiche Kaffee- und Teeservice, Bestecke, Schalen, Leuchter, Tafelaufsätze, Pokale, Orden sowie Arbeiten mit gesicherter Provenienz.

Der Wert eines Objekts hängt von mehreren Faktoren ab. Neben dem Materialwert spielen Seltenheit, Alter, Erhaltungszustand, Gestaltung, Ausführungsqualität, historische Bedeutung und Herkunft eine entscheidende Rolle.

Ein vergleichsweise kleines Schmuckstück kann kunsthistorisch besonders wertvoll sein, wenn es eindeutig signiert ist, aus einem bedeutenden Auftrag stammt oder sich einer konkreten Person zuordnen lässt. Umgekehrt ist ein großes Silberobjekt nicht automatisch selten, wenn es in zahlreichen Exemplaren hergestellt wurde oder stark verändert ist.

Bei Stücken aus höflichem beziehungsweise kaiserlichem Besitz erhöhen originale Etuis, Rechnungen, Widmungen, Inventarnummern und andere Provenienzangaben die historische Aussagekraft erheblich.

Warum Schmuck von Gebrüder Friedländer so bedeutend ist

Antiker Schmuck aus dem Hause Gebrüder Friedländer ist mehr als ein dekorativer Gegenstand. Er erzählt von der Entwicklung Berlins, vom Aufstieg des Bürgertums, von der höfischen Gesellschaft des Kaiserreichs und von der außerordentlichen Qualität der Berliner Goldschmiedekunst.

Zugleich erinnert jedes erhaltene Objekt an eine jüdische Unternehmerfamilie, deren Leistung nach 1933 systematisch entwertet und deren Unternehmen 1938 enteignet wurde.

Diese doppelte Bedeutung macht Friedländer-Schmuck heute besonders relevant. Er ist Kunstwerk und Zeitzeugnis zugleich.

Ein Ring, eine Brosche oder ein Silbergefäß kann sowohl die ästhetischen Vorstellungen seiner Epoche als auch die gesellschaftlichen Verhältnisse dokumentieren, unter denen es entstand. Bei Gebrüder Friedländer reicht dieser historische Zusammenhang von der preußischen Residenzstadt des Biedermeier über das Kaiserreich und die Weimarer Republik bis zur nationalsozialistischen Verfolgung.

Gebrüder Friedländer und die großen Berliner Hofjuweliere

Die Gebrüder Friedländer standen in einer Reihe mit weiteren bedeutenden Berliner Juwelieren und Goldschmiedefirmen. Dazu gehörten unter anderem Sy & Wagner, Paul Telge, Louis Werner und andere Werkstätten, die den Hof, das Militär, staatliche Institutionen und die vermögende Berliner Gesellschaft belieferten.

Dennoch nahm Friedländer eine besondere Stellung ein. Nur wenige Berliner Juwelierhäuser konnten auf eine vergleichbar lange Firmengeschichte zurückblicken. Zwischen der Gründung von 1829 und der erzwungenen Übernahme von 1938 lagen mehr als hundert Jahre.

In diesem Zeitraum erlebte das Unternehmen fünf politische Epochen: die preußische Monarchie vor 1848, die Phase der deutschen Einigung, das Kaiserreich, die Weimarer Republik und schließlich die nationalsozialistische Diktatur.

Die Geschichte der Gebrüder Friedländer ist daher untrennbar mit der Geschichte Berlins verbunden.

Ein bedeutendes Kapitel der Berliner Schmuckgeschichte

Die Gebrüder Friedländer waren weit mehr als Verkäufer kostbarer Gegenstände. Sie gehörten zu jenen Unternehmen, die Berlin zu einem wichtigen Zentrum der europäischen Schmuck- und Silberwarenproduktion machten.

Ihre Werkstätten verbanden künstlerische Entwürfe mit höchster handwerklicher Qualität. Ihre Geschäftsräume am Schlossplatz und Unter den Linden lagen an den vornehmsten Adressen der Hauptstadt. Ihre Kunden kamen aus dem Kaiserhaus, dem Adel, dem Militär, der Wirtschaft und dem gehobenen Bürgertum.

Mit Schmuck, Tafelsilber, Orden und offiziellen Ehrengeschenken wirkten die Gebrüder Friedländer an der visuellen Kultur Preußens und des Deutschen Kaiserreichs mit. Ihre Arbeiten wurden getragen, benutzt, verschenkt und über Generationen weitergegeben.

Umso schwerer wiegt das Ende des Unternehmens. Die erzwungene Übernahme von 1938 zerstörte nicht nur die wirtschaftliche Existenz einer Familie. Sie versuchte auch, ihre Leistungen aus der deutschen Geschichte zu entfernen.

Das Vermächtnis der Gebrüder Friedländer

Heute lebt der Name Gebrüder Friedländer in den erhaltenen Schmuckstücken, Silberarbeiten, Orden, historischen Fotografien, Rechnungen, Etuis und Firmenpublikationen weiter.

Jedes identifizierte Stück hilft dabei, die Geschichte dieses bedeutenden Berliner Juwelierhauses zu rekonstruieren. Dabei geht es nicht nur um Marktwerte oder berühmte Auftraggeber. Es geht um die Bewahrung eines kulturellen Erbes, das durch Verfolgung, Krieg und jahrzehntelanges Vergessen auseinandergerissen wurde.

Für Sammler von Antikschmuck aus Berlin, für Liebhaber historischen Silbers und für alle, die sich mit den vergessenen Juwelieren der Hauptstadt beschäftigen, gehört Gebrüder Friedländer zu den wichtigsten Namen überhaupt.

Die Geschichte des Hauses begann 1829 am Berliner Schlossplatz. Sie führte in die prachtvollen Verkaufsräume Unter den Linden, in die Werkstätten der Berliner Gold- und Silberschmiede und bis an den Hof der deutschen Kaiser. Sie endete 1938 nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, sondern durch die nationalsozialistische Verfolgung und Enteignung eines jüdischen Familienunternehmens.

Die Gebrüder Friedländer stehen damit zugleich für die Blüte und den Verlust der historischen Berliner Juwelierskunst. Ihre Arbeiten erinnern an eine Zeit, in der Berlin zu den großen europäischen Metropolen für Schmuck, Silber und kunsthandwerklichen Luxus gehörte – und an eine Familie, deren Name es verdient, wieder sichtbar zu werden.

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